Zeitgemäßes Bauen - was heißt das?


Immer öfter werden die MitarbeiterInnen im Bauamt mit Fragen zum „zeitgemäßen" Bauen konfrontiert.

Dazu möchte ich Ihnen gerne zuerst eine Frage stellen: Was bedeutet „zeitgemäßes und modernes" Bauen?
Form, Farbgebung, Baumaterial, Linienführung, Energie- und Wärmebedarf, Flächenverbrauch und noch vieles mehr sind alles Antworten, die sich auf die beiden Schlagworte „zeitgemäß und modern" beziehen.

Leider ist es jedoch in Wahrheit oft einzig und allein die Form des Hauses, genauer gesagt die Dachform, die ein gewöhnliches Haus in den Augen des Bauwerbers zu einem modernen Haus macht. Und so kommt es in letzter Zeit immer häufiger vor, dass das Bauamt in Ligist mit der Aussage konfrontiert wird, dass „in Ligist keine modernen Häuser erlaubt werden". Das möchte ich so nicht stehen lassen. Denken sie nur zum Beispiel an die Kinderkrippe - ein moderner, geradliniger Bau, ein Passivhaus mit minimalem Energiebedarf, errichtet aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz. Allerdings wurde der Kinderkrippe von den Planern ein kombiniertes Sattel-Walmdach verpasst, um das Bauwerk harmonisch in das Gesamtumfeld einzugliedern. Ist die Kinderkrippe deswegen ein altmodisches Gebäude? Meiner Meinung nach - Nein!

Wenn Sie sich, verehrte Ligisterinnen und Ligister, nun die Frage stellen, wieso „darf" in den Nachbargemeinden ein Haus mit Flachdach errichtet werden, in Ligist jedoch nicht, so möchte ich Ihnen ganz klar mitteilen, dass es in Ligist kein „Verbot" von Flachdächern gibt. Zurzeit liegen keine großflächigen Bebauungspläne oder Baurichtlinien für das Gemeindegebiet vor, welche ein Flachdachverbot gebieten würden.

Wohl aber wird auf Basis des steirischen Baugesetzes jeder Bauentwurf, jede Baueinreichung, durch die Baubehörde geprüft. Geprüft werden bei einer Bauverhandlung bzw. im Interesse des Bauwerbers schon im Vorhinein umfangreiche Fragen z.B. zu den Abständen zwischen Gebäuden oder Grundgrenzen oder die mögliche Beeinflussung von Nachbarn. Ein weiterer, in unserem Fall wesentlicher, Punkt findet sich im § 43 Abs. 4: „Die allgemeinen Anforderungen an Bauwerke beinhalten, dass das Bauwerk derart geplant und ausgeführt werden muss, dass es in seiner gestalterischen Bedeutung dem Straßen-, Orts- und Landschaftsbild gerecht wird".

Dies bedeutet, dass zwar das Bauwerk an sich durchaus „schön" sein kann, in seiner Umgebung jedoch möglicherweise nicht zur Geltung kommt, bzw. die Geltung seiner Umgebung zerstört. Auf diesen Punkt hat die Baubehörde von Gesetzes wegen zu achten. Und dieser Punkt bezieht sich natürlich nicht nur auf die Dachform oder -neigung, sondern auf alle gestalterischen Aspekte des Bauwerks.

Nun werden Sie sich wiederum die Frage stellen, wieso denn dieser Paragraph in den Nachbargemeinden nicht berücksichtigt wird. Das kann ich Ihnen allerdings nicht beantworten. Als Antwort möchte ich Ihnen, verehrte Ligisterinnen und Ligister, geben, dass mir in vielen Gesprächen und Diskussionen bei den verschiedensten Gelegenheiten immer wieder gesagt wurde, dass Ligist ein schöner Fleck auf der Welt, ein schöner Platz zum Leben, ist. In meinem Verständnis gehört dazu auch ein schönes und harmonisches Orts- und Landschaftsbild mit zeitgemäßen Bauwerken und Gebäuden, die dieses Orts- und Landschaftsbild unterstreichen und bewahren.

Deswegen möchte ich sie, geschätzte Bauwerberinnen und Bauwerber, bitten, uns allen bei diesem Vorhaben zu helfen und zu unterstützen, denn nur dann können auch unsere Kinder und Enkel noch sagen, dass Ligist ein schöner Fleck auf der Welt ist.

Ihr Bürgermeister
Johann Nestler

P.S.: Nutzen sie auch die kostenlosen Bauberatungen an jedem ersten Donnerstag im Monat (bitte im Gemeindeamt anmelden).

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